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PEKING... Schneller - Höher - Moderner
Olympische Vorbereitungen in Chinas Hauptstadt

Von Max Gletthofer


Pünktlich landet unsere Austrian Maschine auf dem Flughafen von Peking oder Beijing, wie die Stadt vor Ort genannt wird. Die Luft ist wider Erwarten klar, der Himmel tiefblau. Aus unseren kleinen Flugzeugfenstern sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite noch friedlich schlummernd das ultramodern gestaltete neue Flughafengebäude, das Anfang 2008 eröffnet wird. Zügig passieren wir die Pass- und Zollkontrolle, auch die Koffer lassen nicht lange auf sich warten. Nachdem uns der ATM-Bankomat problemlos die ersten Yuan ausspuckt, geht es gleich schnurstracks zum Himmelstempel. Mehrspurige Straßen und mautpflichtige Autobahnen führen an riesigen Wohnblöcken vorbei und vermitteln uns einen ersten Eindruck von Peking.

Keine Armenviertel oder Slums, die sonst so oft den Weg in die Zentren der
Städte säumen, sind zu sehen. Mächtige, kühle und geradlinige Plattenbauten, die einen gepflegten Eindruck hinterlassen, begleiten uns ins Zentrum. Am Busparkplatz werden wir sofort von fliegenden Händlern umlagert, die uns aufdringlich Ansichtskarten und Bücher verkaufen wollen.

Im Tiantan Park, dem größten Park der Stadt, können wir dann zum ersten Mal beobachten, wie die Menschen in Peking ihre Freizeit in einer für uns ungewohnten Weise verbringen: Dutzende Kartenspieler spielen lautstark nicht auf Tischen sondern auf den breiten Geländern einer offenen Halle, eine Frau singt mit schriller Stimme in ihr Mikrofon, ein älteres Paar spielt mit eleganten Aushol- und Fangbewegungen eine Art Federball, eine andere Dame wiederum führt mit kunstvollen Bewegungen einen Bandtanz vor. Dabei handelt es sich immer um betagte Menschen.


Am nächsten Morgen lassen wir uns davon überzeugen, dass der Tiananmen Platz wirklich der größte Platz der Welt ist. Streng werden die Einheimischen kontrolliert, die auf den Platz wollen. Bei uns ausländischen Touristen geht es wesentlich schneller – man will sich im Vorfeld der Olympischen Spiele Ausländern gegenüber besonders wohlwollend verhalten – wie uns unser Führer lächelnd aufklärt. Obwohl es noch früh ist, sind schon unzählige Leute dort. Fliegende Händler, die ihre Sachen auf dem riesigen Platz verbotenerweise anbieten, liefern sich mit den Polizisten ein Spielchen – sie werden vertrieben, sobald sich die Exekutivorgane umdrehen, steigen sie lachend sofort wieder über die Absperrung, um ihre Ware weiter den Touristen feilzubieten.Übrigens, das Auge des Gesetzes ist wirklich überall ob Polizisten in Zivil und in Uniform oder Kameras, die flächendeckend eingesetzt werden.

Geduldig warten Menschenschlangen vor dem Mausoleum von Mao Tse Tung, das unweit vom „Denkmal der Volkshelden“ das Zentrum des Platzes bildet. Wir stellen uns nicht an sondern gehen Richtung Norden und betreten durch das Mittagstor den Palastbezirk der ehemaligen „Verbotenen Stadt“ mit einer Ansammlung von Palästen, Pavillons, mächtigen Toren und Plätzen.

Das Leben auf der Straße hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Ich frage mich, wie es sein kann, dass ich mir von dieser Stadt ein völlig anderes Bild gemacht habe? Wo sind die Heerscharen von Radfahrern? Wo sind die Straßenhändler und Garküchen? Wo ist das alte Peking, das man noch vor Jahren vorfand? Reste eines Altstadtteiles werden nun rasch saniert oder erneuert, um dann zahlreichen Touristen aus aller Welt rechtzeitig zu den Olympischen Spielen Rikschafahrten durch die malerische Altstadt anbieten zu können. Viele von diesen Häusern hatten bis vor Kurzem weder fließendes Wasser noch sanitäre Anlagen. Meist werden die Bewohner aber in große Wohnblöcke umgesiedelt.
Gerne zeigen die Pekinger heute den neuen Reichtum in Form ihrer Autos. BMWs, Audis, Mercedes oder große japanische Autos sind keine Seltenheit. Aber auch von den Chinesen kopierte deutsche Autotypen findet man immer öfter auf den Straßen.

In den letzten Jahren hat sich Peking aufgrund der Olympischen Spiele 2008 grundlegend verändert.
Viele alte typische Wohn- und Geschäftshäuser mussten großen Wohn- und Geschäftsblöcken oder den neuen mehrspurigen Straßen weichen, um dem täglich zunehmenden Verkehr Herr zu werden. Immer wieder trifft man auf große Hinweistafeln, welche die Tage und Stunden bis zur Eröffnung der Spiele herunterzählen.

Das unübersehbare neue Olympiastadion, das aufgrund des einzigartigen, umschlingenden Metallgerüstes bereits „das Vogelnest“ genannt wird, wurde vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen. Gleich daneben wurde auch das quaderförmige durch seine folierte Außenhaut hellblau schimmernde, Schwimmstadion errichtet. Bis Ende 2007 müssen die Stadien soweit fertiggestellt sein. Tag und Nacht wird mit tausenden Wanderarbeitern gearbeitet, um zeitgerecht dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen.
Gleichzeitig zu diesen Vorhaben entstehen nun auch die ersten, bereits weithin sichtbaren Wolkenkratzer, die in den nächsten Jahren das Stadtbild noch beträchtlich verändern werden. Auffällig sind die neuen Türme des chinesischen Staatssenders, die schräg emporragen. Nur unweit davon entfernt entsteht das höchste Gebäude Südostasiens mit über 500m Höhe.

Die Stadt ändert sich so rasch, dass viele Taxilenker überfordert sind und trotz chinesischer Schrift einfach nur den Kopf schütteln, wenn man ihnen Adressen in moderneren Vierteln vorlegt. Aber irgendwie gelangen wir immer dorthin, wo wir hin wollten – und sogar zurück ... .
Für die Bewohner Pekings geht das Leben dennoch weiter wie gehabt und sie werden mit ihrer Gelassenheit auch den einmonatigen Ausnahmezustand während der Spiele im Sommer 2008 über sich ergehen lassen. Danach gehört die Stadt wieder ihnen – nur moderner und ... teurer.

Reiseinfo

Beste Reisezeit
April und Mai sowie September und Oktober. Außerhalb dieser Zeiten müssen Sie im Winter mit sehr niedrigen Temperaturen rechnen, im Sommer wiederum mit großer Hitze und vermehrtem, oft tagelangem Dunst, der sich aus Nebel und Smog zusammensetzt (was insbesondere den Ausflug zur Großen Mauer trübt). Juli und August 2008 meiden Sie am besten: Dann finden nämlich die Olympischen Spiele statt, da wird die Stadt auf jeden Fall kopfstehen.

Einreise
Einzelreisende müssen vorab ein Visum besorgen, der Pass muss zum Zeitpunkt des Antrags noch sechs Monate gültig sein und eine leere Seite haben. Das Visum kostet im günstigsten Fall e 30,-

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